„Nackt sind alle Menschen gleich“

Am 22. Juli ist der Bodypainting-Künstler Mirko Gerwenat zum zweiten Mal zu Gast in der Toskana Therme Bad Sulza. Im Rahmen eines Live-Painting lässt er vor den Augen der Thermengäste ein Kunstwerk auf der Haut eines Models entstehen.

Die Toskana Therme ist ein toller Ort für ein Live-Bodypainting, denn hier entsteht mit der Nähe zum Wasser eine ganz spezielle Verbindung zwischen Kunstwerk und Umgebung. Meine Leinwand ist der menschliche Körper und der besteht zum Großteil aus Wasser. Das passt einfach gut zusammen.Mirko Gerwenat

Aktuell findet in Kärnten/Österreich das weltgrößte Bodypainting Festival und die Weltmeisterschaft im Bodypainting statt. Hier geht Mirko Gerwenat seiner Leidenschaft nach, aber er hatte trotzdem Zeit für ein Telefoninterview mit uns:

Wie müssen wir uns die Weltmeisterschaft im Bodypainting vorstellen?

Ähnlich wie bei der Fußballweltmeisterschaft muss man sich qualifizieren, es kann nicht einfach jeder mitmachen. Unser Team ist seit 2014 jedes Jahr dabei und wir sind immer im guten Mittelfeld gelandet. Aber alle Teilnehmer hier sind Top-Künstler. Die Weltmeisterschaft steht für uns gar nicht so im Vordergrund. Es ist ein riesiges Netzwerktreffen, bei dem man alte Bekannte trifft, neue Leute kennenlernt und eben auch mal schauen kann: Was machen die anderen? Wie setzen die das um? Es gibt jedes Jahr ein Thema und bei 50 teilnehmenden Nationen ist es allein schon interessant zu sehen, wie die anderen das interpretieren.

Wie sind Sie denn zum Bodypainting gekommen?

Bodypainting

Mirko Gerwenat in Aktion

Ich bin da eigentlich so rein gerutscht, etwa 2003 über einen Kollegen. Eigentlich war es der Kollege, der Bodypainting machen wollte, aber da ich mich für Airbrush-Techniken interessiert habe, war ich mit von der Partie. Ich habe ihn unterstützt und wir sind da beide rein gewachsen. Dann war es so, dass er keine Zeit mehr hatte, weil er familiär sehr stark eingespannt war. Aber da gab es dann kein Zurück mehr. So ist das einfach Stück für Stück gewachsen. Ich hatte nie den Plan Bodypainting-Künstler zu werden.

Was inspiriert Sie zu Ihren Arbeiten?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Es entsteht einfach ein Bild in meinem Kopf durch Tiere oder die Natur oder interessante Fotos. Richtig spannend finde ich die Arbeiten von HR Giger, dem Erfinder des „Alien“. Er hat auch viele Skulpturen gemacht, bei denen Organisches und Technisch-Mechanisches verschmelzen. So etwas lässt sich gut in einem Bodypainting umsetzen. Manch einem wird das zu düster sein, daher ist das für werbliche Zwecke nicht so geeignet.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Toskana Therme?

Andy Warhol war das Thema des ersten Live-Painting-Events

Letztendlich sind die Mitarbeiter der Toskana Therme auf mich zugekommen, weil sie nach etwas Neuem für das Sommerprogramm gesucht haben. Daraus entstand dann die Idee des Live-Paintings und die drei Termine. Hier steht auch das Künstlerische im Vordergrund. Da kann ich mich „voll austoben“. Das kommt bei den Gästen auch sehr gut an. Im Saunabereich sind ja schon alle nackt. Diese Nacktheit in der Sauna macht in dem Moment alle Menschen gleich. Und dann wird da plötzlich jemand „angemalt“ – das finde ich eine sehr interessante Konstellation. Dazu kommt, dass ich in dieser Situation ziemlich schnell arbeiten muss. In circa zwei bis zweieinhalb Stunden entsteht da ein Kunstwerk. Das finden natürlich viele spannend und schauen sehr gerne dabei zu.

Apoldaer Bodypainting Contest
Die Toskana Therme Bad Sulza sind offizieller Sponsor des Apoldaer Bodypainting Contests. Dieser Wettbewerb fand in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt und hat sich mittlerweile einen sehr guten internationalen Ruf erarbeitet. Zehn Teams traten in diesem Jahr in der Festhalle der Vereinsbrauerei Apolda gegeneinander an und schufen Kunstwerke auf nackter Haut zum Thema „Alte & neue Künstler“.

Fotos: Frank Dobbert

Kultur in der Therme:

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