Triathlon Training ist gesund für die Leber

Triathlon Training

Wie kann eine der kräftezehrendsten Ausdauersportarten gesund für ein Organ sein?

Triathlon Training? Für Diejenigen, die Ihre Schulzeit noch gern in Erinnerung behalten haben: Im Deutschunterricht nennt man das Paradoxon. Zwei Dinge die sich ausschließen. Wenn wir beispielsweise Ironman und Marathon in einem Atemzug nennen, dann kann man die gehörige Portion Respekt im Raum förmlich anpacken. Was für eine großartige Leistung. Wer schwimmt denn freiwillig 3,6 km, fährt 180 km Fahrrad über Stock und Stein und rennt zu guter Letzt noch 42,1 km über den Asphalt? Gern auch bei 30 Grad und darüber hinaus. Das können doch nur Extremsportler und Profis, denkt sich der ein oder andere.

Dann doch lieber mit der Luftmatratze auf dem Wasser relaxen oder mit den Kumpels in den nächsten Biergarten. Wenn ich an die letzten heißen Sonnentage denke: Gar keine schlechte Idee.

Doch dann fällt mir das Gespräch mit Bodo ein, und ich habe direkt Lust die Laufschuhe zu schnüren.

Es ist gar nicht lange her. August 2014. Eine Geschichte, nahezu unfassbar aber gleichzeitig auch beeindruckend. Wie wir zum Thema Triathlon Training kamen, so genau bekomme ich das gar nicht mehr zusammen. Ich glaube, er war von Fußball nicht allzu begeistert, daher änderte ich das Thema. Mein Langzeitgedächtnis ist öfter im Urlaub als ich :-)

Bodo ist Ingenieur und war zum damaligen Zeitpunkt (2007) 50 Jahre alt und ging in seiner Freizeit keiner Sportart nach. Gelegentliche (bedingt notwendige romantische) Spaziergänge mit seiner Frau und Hund zogen des Öfteren Muskelkater nach sich.

Doch ein Arztbesuch veränderte sein Leben. Die Diagnose war niederschmetternd und doch zugleich eine neue Chance: Er hatte eine vererbte Leberentzündung – Anfangsstadium. Am Alkohol konnte es nicht liegen, denn diesen trank er nicht. Weder Wein, noch Bier, geschweige denn Hochprozentiges …

 

„Entweder Sie treiben Sport, oder in 10 Jahren ist eine Lebertransplantation nicht mehr auszuschließen“, sagte die Ärztin.

 

Um das kurz als Wikipedia Hobbyarzt zu erklären: Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan trägt eine entscheidende Last bei den Stoffwechselprozessen während der körperlichen Belastung. Sie „recycelt“ das in der Muskulatur anfallende Lactat und produziert daraus wieder wichtige Energieträger. Bei einer Leberentzündung und einer moderaten körperlichen Belastung wird der Heilungsverlauf nicht verzögert, sondern vielmehr begünstigt und eine schnellere Genesung unterstützt. Bei akuter Hepatitis (=Leberentzündung), verursacht meist durch Viren, sollte eine erschöpfende Belastung vermieden werden. Jedoch muss bei chronischer Leberentzündung auf Ausdauersport nicht verzichtet werden, denn hierdurch wird dem Muskel- und Knochenschwund, der oftmals durch die Erkrankung selbst gefördert wird, entgegen gewirkt.

Zurück zur Geschichte: Was nun?

Abends saß er mit seiner Frau vor dem Fernseher und rein zufällig lief eine Reportage bei Spiegel TV über das wohl bedeutendste Triathlon Sportereignis der Welt. Der Ironman auf Hawaii. Für einen Fußballfan vergleichbar mit der Weltmeisterschaft. Für eine Frau dann eher der Hochzeitstag (Männer, bitte nie vergessen!!). Körperliche Grenzbelastung bei heißen Sommertemperaturen mit Minimum 10 Stunden durchgehender völliger Ekstase an einem der schönsten Orte der Welt (was Teilnehmern spätestens nach der ersten Disziplin egal sein dürfte).

 

„Das kann ich auch – in 12 Monaten steh ich beim Ironman am Start!!“

 

Ein Mann, ein Wort. Das Mammutprojekt wurde gestartet. Professionelle Trainingspläne wurden entwickelt, Ärzte konsultiert, Triathlon Zeitschriften bestellt, und das wichtigste von allem: Sport getrieben! Wie auch im Leben, fing Bodo klein an. Er steigerte seine Intensität über Wochen und Monate hinweg. Dabei lernte er Trainingspartner kennen, schätzen und auch hassen :-) Denn wenn der innere Schweinehund einen zum Wahnsinn treibt, dann gibt es (zum Glück) noch den sportlicheren Trainingspartner, der einem über den Punkt X hinweghilft. „Komm, da geht noch was“. Für Bodo war dies eine äußerst prägende Zeit. „Die Regeneration fand öfters in Thermen und Saunen statt“, erzählte er mir. Er brachte seinen Körper ans Limit und lernte sich neu kennen. Er hat Fett reduziert und Muskeln gestärkt. Bewegung hält fit. Der Tag bestand eben nicht nur aus Arbeit und Schokoriegeln. Stattdessen gab es Salat und Wasser.

Bodo ist nun 58 Jahre alt und hat Dinge in seinem Leben erreicht, die wohl für einige ewig unerreichbar bleiben werden.

Sein Jahresziel ist gesetzt: Jedes Jahr mindestens einen Ironman. Ob Frankfurt, Lanzarote oder Mallorca. Bodo war dabei und wird es wohl auch die kommenden Jahre sein, sofern seine Beine ihn tragen. Die Leberwerte haben sich im Übrigen gebessert. Die Notwendigkeit einer Transplantation ist nach ärztlicher Aussage momentan so hoch, als wenn England im Elfmeterschießen gegen Deutschland gewinnen würde. Ergo: Nicht der Rede wert :-)

Das was Bodo erreicht hat, erzähle ich immer wieder gern Leuten aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Bei mir im Fitnessstudio hängt direkt über dem Cardiogerät folgender Spruch:

 

„Zwischen Dir und deinem Ziel, steht nur eine Person: DU.“

 

An jedem Satz ist doch auch (fast) immer was Wahres dran, oder?

Ich selber praktiziere in meiner Freizeit ebenfalls Triathlon Training, auch gestärkt durch das Treffen mit Bodo, welcher bewies: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es ist einfach beeindruckend, wenn ein „Fast-Rentner“ von solch einem Werdegang berichtet. Ich habe mit dem Jedermann-Triathlon, auch bekannt unter Fitnesstriathlon (0,5 km Schwimmen, 20 km Fahrrad, 5 km Laufen) angefangen und mich zur Olympischen Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Fahrrad, 10 km Laufen) hochtrainiert. Als Ziel für die kommenden beiden Jahre steht die „70.1 Miles Distanz“ an (Hälfte der Ironman Distanz). Ich geh das alles etwas ruhiger an. Der Weg ist eben das Ziel.

Vermutlich ist es der Reiz alle drei Sportarten Schwimmen, Biken und Laufen in einer zu vereinen. Sport habe ich schon immer getrieben. Nach verschiedenen Knieverletzungen musste ich meine Fußballschuhe an den Nagel hängen. Neue Wege galt es zu finden. Nur couching – seid mal ehrlich – das ist auf Dauer doch langweilig. Sport ist befreiend und erholend zugleich. In Deutschland hat es in den letzten Jahren einen enormen Zulauf an Teilnehmern bei Ausdauersportevents gegeben. Tausende von Menschen nehmen beispielsweise an Cityläufen teil. Das muss weitergehen. Leute da draußen, treibt Sport und lasst das Handy liegen! Es gibt wichtigere Dinge als WhatsApp und Hartz 4 TV im Nachmittagsprogramm.

Jeder muss für sich selbst entscheiden was ihm gut tut. Bewegung schadet nie. Bodo meinte damals mit einem Schmunzeln:

 

„Mein Enkel ist 11 Jahre alt und sitzt den halben Tag vorm Fernseher oder spielt am Handy, während sein alter Opa mit der Sportelite in seiner Altersklasse am Ende der Welt um Medaillen kämpft.“

 

Passender kann man es nicht sagen: Sport ist eben nicht gleich Mord und ich glaube, Bodo hört manchmal im Stillen seine Leber „Danke“ sagen. Triathlon Training – so kann es helfen!

 

Triathlon Training - Erik Martin

Unser Gastautor:

Erik Martin (28), aus Dresden